Tiefgründig, analytisch und aufschlussreich gestaltete Bürgermeister a. D. Fredo Endres seinen Vortrag „Pasta, Papst und Politik".

Italien bleibt in vielerlei Hinsicht ein positiver ein Sonderfall auf dieser Welt. Der Vatikan und San Marino als Kleinstaaten befinden sich innerhalb der Landesgrenzen als autonome Einheiten. Der ausgeübte, kulturelle Einfluss auf Europa und den Mittelmeerraum sucht seinesgleichen. Italien ist das Land, welches die meisten Weltkulturerbestätten der UNESCO besitzt. Bauwerke, Maler, Musiker, Handelshäuser haben ihren Ursprung in Italien. Aquädukte wurden in Frankreich in schwindelerregender Höhe erbaut, können noch Wasser ohne große Transportverluste transportieren. Straßenbauer aus Italien genießen bis heute einen hervorragenden Leumund. Designer und Autobauer bringen die Welt immer wieder zum Erstaunen. Die Lebenslust, der Wein und das Essen sind wohl mit Voraussetzungen für ein gutes Leben bis in hohe Alter.

Jeder 6. Liter Wein, welcher auf der Welt getrunken wird, stammt aus Italien. Diese Kunst wird in Italien exzellent beherrscht. 7.600 Kilometer Küste sind eine immerwährende Herausforderung. Jährlich sind über 53 Mio Touristen zu Besuch, was erhebliche Devisenmengen ins Land spült. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Venedig wird durch die Kreuzfahrtschiffe mit Wogen von Touristen zugedeckt, welche erhebliche Probleme mit sich bringen. Viele Langzeitauswirkungen können nur erahnt werden.

Italien wird immer wieder von Erdbeben heimgesucht. Eine Erschütterung finanzpolitischer Art könnte auch durch die Etatentwürfe der Regierung eintreten. Die Neuverschuldung ist mit einer Größe von 2,3% des Bruttoinlandsproduktes deutlich höher, als von der EU Kommission angemahnt. Die Stabilitätskriterien werden nachhaltig verletzt: Die jährlichen Steuerausfälle werden auf ca. 105 Milliarden geschätzt.

In den letzten Jahren hat Italien durch die EU sehr wenig Unterstützung bei der Sicherung seiner Außengrenzen erfahren. Eine Vielzahl von Mitgliedsstaaten hat es stillschweigend zur Kenntnis genommen, dass tausende von afrikanischen Menschen über das Mittelmeer nach Europa kamen. Von europäischen Freunden alleine gelassen zu werden, ist sicherlich auch eine Ursache für die heutige, politische Entwicklung. Die Überlebensdauer einer italienischen Regierung liegt bei knapp einem Jahr. Rücktritte und Neuwahlen sind nie weit entfernt und das politische Klima ist vergiftet.

Zum Abschluss seines Vortrages begann Fredo Endres ein Feuerwerk über die Liebe in Italien. Amore und Italien sei eine untrennbare Einheit. Wie eine Geliebte von ihrem Verehrer tituliert und angesprochen wird klingt romantisch, phantasievoll und nahezu himmlisch: er verglich es mit einem Musiker, welcher sein Instrument streichelt. Das sei für einen Schwaben nicht unbedingt zu empfehlen. Wobei der ein oder andere Anwesende mit der Frage zurückblieb, was hierfür wohl der Anlass sein möge.

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